Ein Nischenberuf befaßt sich mit der Kunst, daß richtige
Kunstwerk für einen Kunden zu finden.
Kunst am und im Bau gewinnt an Bedeutung für die Unternehmenskultur. Sie ist zu einem Bestandteil der
"Corporate Identity" geworden, symbolisiert das gewünschte Image und vermittelt es
Mitarbeitern wie Kunden. Die Präsentation von Kunstwerken in Unternehmen hat in den letzten zehn,
zwanzig Jahren so sehr an Bedeutung gewonnen, daß ihr Auswahl inzwischen faßt
ausschließlich Profis überlassen wird.
Kunstberater nennen sich diese Unternehmensberater, die zwischen den Geschmacks- und
Image-Vorstellungen der Unternehmer und den Angeboten des Kunstmarktes vermitteln. Neben der
Beratung bei der Auswahl sorgen sie mit einem umfassenden Servicepaket von der Kalkulation über den
Transport bis zur Ausleuchtung dafür, daß schließlich das richtige Bild am richtigen Platz hängt.
Gefragt sind Kunstberater wesentlich bei Neubauten von Verwaltungs- und Representationsräumen.
Ihre Auftraggeber sind nicht nur internationale Konzerne, sondern auch mittelständische
Firmen und kundenfreundliche Serviceanbieter, wie Banken oder auch Steuerberater.
Kunstberater wirken im Hintergrund, ihr guter Geschmack wird üblicherweise den Auftraggebern zugesprochen.
Die noch junge Branche agiert so diskret, daß Sie fast unbekannt geblieben ist. Die Berater kennen
aneinander kaum, sind nirgends zusammen erfaßt und spielen selbst beim "Bund Deutscher Unternehmensberater"
"bislang noch keine Rolle", so Sprecher Klaus Reiners. "Der Markt ist sehr eng, man kann nur auf wenige
zurückgreifen", weis Ulrich Lissek, der Pressesprecher der Deutschen Telekom AG.
Die Kölner Galeristin Philomene Magers kennt Helge Achenbach als den Größten in der kleinen Branche.
Aus den USA kam von den siebziger Jahren an der Trend, breitere Bevölkerungsschichten
für Kunst-Events zu begeistern. "Die Wohlstands- und Informationsgesellschaft hat das Bedürfnis
geweckt, dem Sinn des Lebens durch die Erfahrungen der Kunst nachzuspüren", so die Trendforscher John
Naisbitt und Patritcia Aburdene. Die Erkenntnis von der Bedeutung der Kunst für die Unternehemenskultur
jenseits von altruistischem Mäzenatentum setzte sich bald danach zu
Hochkonjunkturszeiten auch in Deutschland durch.
Mit Blick auf die Kunden kann Kunst in Unternehmen das Angebot symbolisieren, die Ziele betonen, oder auch
die Firmenphilosophie verkörpern. Ulrich Lissek erläutert für die Deutsche
Telekom AG: "der bewußte Bruch der Bundespost-Vergangenheit spiegelt sich auch in der
Auswahl von moderner, positiver, frischer und dynamischer Kunst für die Neubauten". In Bonn
beispielsweise empfängt die Besucher ein gigantisches Wandgemälde von A.R. Penck.
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"Kunst kann weder Menschen noch ein marodes Unternehmen retten," stellt Nelius klar und zitiert frei nach
Hubertus von Amelunxen, dem Intendanten der Kieler Muthesius-Hochschule: "Kunst kann uns aber sehen helfen,
Blicke neu ausrichten und ihnen Perspektiven offenbaren, die zu einem besseren oder aber einem anderen
Verständis der Gegenward führen."
Heidi Wiese in: Welt am Sonntag, 04.Okt.1998, Wirtschaft - Kunstmarkt