Ein Drei-Generationen-Kunstlerhaus
Das Randolff-Atelierhaus in der Düsseldorfer Mintropstraße
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Um nicht weiterhin "im Frisiersalon oder im Altenheim" ihre Kunst präsentieren zu müssen, faßte die Kaarster Künstler- gruppe "MaVis" den Entschluß, in der Düsseldorfer MintropstraBe nahe des Hauptbahnhofes eine Produzentengalerie mit angeschlossenem Atelier zu gründen.

MaVis (Malerei und Visuelles) ist eine Vereinigung von sechs Künstlern (Uli Fern, Ulrike Linden-Fern und Georgia Schwarting aus Korschenbroich, Andrea Falkenroth aus Mönchengladbach, Christa Kolling und Birgitt Verbeek aus Kaarst) auf dem Weg zur Professionalisierung. Die Gruppe hat sich zusammengefunden durch die gemeinsame Arbeit und Ausstellungstätigkeit im "Offenen Atelier", das die Kaarster Künstlervereingung "Salix" in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule als Möglichkeit zum freien künstlerischen Schaffen anbietet (siehe auch "Junge Kunst" Nr. 34). Für Korrekturwünsche stehen Mitglieder der "Salix"-Gruppe 10 JUNGE KUNST 39 zur Verfügung. [...]

Sie sind sehr froh darüber, ihre Arbeiten fernab des Kaarster "Dunstkreises" und seiner abschirmenden Wirkung präsentieren zu können. Von der Nähe zur Kunstakademie und dem auch sonst großen kulturellen Angebot der Landeshauptstadt erhoffen sie sich künstlerische Anerkennung und neue Impulse für ihr künstlerisches Schaffen und darüber hinaus rechnen sie damit, ganz neue Käuferschichten zu erreichen und weiterführende Kontakte zu knüpfen. [...]

Die Idee zur Vergabe der leerstehenden Geschaftsräume an Künstler kam der Geschaftsführerin der Firma Randolff nachdem sie die Räumlich- keiten wegen eines derzeitigen Überangebotes an Gewerbeflächen nicht für gewerbliche Zwecke vermieten konnte und der Umbau in Wohnraum zu aufwendig und damit unprofitabel geworden wäre. Sich als Firma, die Bilderrahmen herstellt, Künstler ins Haus zu holen, ist eigentlich naheliegend, zumal wenn man einen künstlerischen Berater wie Burkhard Siemsen hat, der gleichzeitig eine Reihe von angehenden Profikünstlern als Mentor betreut.

Den Betrieb einer eigenen Galerie hatten die "MaVis"-Künstler ursprünglich aufgenommen, um adäquate Ausstellungsmoglichkeiten zu haben. Schnell ging man dazu über, die Räumlichkeiten auch anderen Künstlern, die sich auf dem Wege der Professionalisierung befinden, sowie auch Profikünstlern zur Verfügung zu stellen, da auch diese oft gerade am Beginn ihrer Laufbahn Schwierigkeiten haben, geeignete Ausstellungsmöglichkeiten zu finden. Für Gastkünstler wurden bestimmte Konditionen vertraglich festgelegt. Die Künstler haben einige Verpflichtungen wie die Durchführung der Ausstellungsankündigung mit Einladungen und Plakaten - wobei alle Schriftstücke das MaVis-Logo tragen müssen -, die Bewirtung der Gäste bei der Vernissage und die Übernahme der Aufsicht samstags von 11 bis 16 Uhr. Die MaVis-Künstler unterstützen ihre Gäste bei organisatorischen Dingen und übernehmen die Aufsicht während der übrigen Öffnungszeiten. Für jede Ausstellung wird eine Gebühr erhoben von 100 DM pro Woche für Einzelausstellungen bei einer Mindestausstellungsdauer von drei Wochen (für zwei Personen beträgt die Gebühr 400 DM und für drei und mehr Personen 500 DM (über den gesamten Zeitraum). Vom Verkauf eines jeden Kunstwerkes werden 10 Prozent des Kaufpreises einbehalten. Fur eine Bewerbung sollte man eine Mappe und eine kurze Biographie einreichen. Die Auswahl der Bewerber treffen alle Gruppenmitglieder gemeinsam. Voraussetzungen sind: der Künstler darf sich nicht mehr auf dem "Hobbyniveau" befinden und er muß mit seinen Exponate die ganze Fläche ausfüllen können. Außerdem achtet man darauf, ein möglichst abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm zu bieten, was die künstlerischen Medien und die Stilrichtungen betrifft. Auch Künstler aus dem Bereich des Kunsthandwerkes sind willkommen. [...]

Während die einen ihre Werke nicht mehr nur dem beilaufigen Publikum in Arztpraxen oder diversen Dienstleistungsbetrieben präsentieren wollen, um das Image des Hobbymalers abzulegen, gehen junge Absolventen der Akademie gezielt auf Industrie und Handwerksbetriebe zu, um sie für Kunstprojekte und als Ausrichter von Ausstellungen zu gewinnen. Frank Czaplinski, Maler und ehemaliger Graupner Meisterschüler, hat die Vermittlung junger Kunst vor allem an Geschäftsleute zu seiner beruflichen Aufgabe gemacht. Im Erdgeschoß des Atelierhauses hat er sein Atelier bezogen, indem er sich gleichzeitig als art manager betätigt und eine art consulting Firma namens "artic" mit eigener Internet-Galerie unterhält (über diese Galerie berichten wir ausführlich in der nächsten Ausgabe der JUNGE KUNST Zeitschrift).

Einigen Künstlern, die er vertritt, hat Czaplinski Wohnateliers im Atelierhaus vermittelt. So konnte in der vierten Etage der Maler und Bühnenbildner Markus Günther Mitte April 1999 seine Atelierwohnung beziehen und im Stockwerk über ihm zog einen Monat später Christian Deckert, Hüppi-Meisterschüler, ein. Ebenfalls in der fünften Etage wird noch ein Gastatelier etabliert.

In der zweiten Etage des Atelierhauses befinden sich die Ateliers von Elisabeth Buchloh, Frau Prof. Klingmüller und Frau Prof. Krüskemper, die sich nun endlich voll und ganz als freischaffende Künstlerinnen betätigen. Zum ersten Mal haben sie im Alter ordentliche, von der Wohnung getrennte Atelierraume, obwohl sie doch eigentlich immer schon professionelle Künstlerinnen waren.

Während ihres Arbeitslebens haben sie ihre freie Kunst aber immer nur berufsbegleitend ausüben können. Elisabeth Buchloh und Frau Prof. Klingmüller sind Mitglieder des "Vereins Düsseldorfer Kunstlerinnen e.V.", der sich 1911 als weibliches Pendant zur rein männlichen Künstlervereinigung "Der Malkasten" gegründet hat. Elisabeth Buchloh war lange Jahre Vorsitzende des Vereins. Laut einer Eigendarstellung ist der Verein "eine Berufsorganisation mit gemeinnützigem Charakter der die Interessen der Mitglieder bei der Veröffentlichung ihrer Arbeiten vertritt". Es werden im Düsseldorfer Raum und darüber hinaus Ausstellungen organisiert, die zum Teil kleinere Gruppen von Künstlerinnen präsentieren oder thematisch ausgerichtet sind.

Kunstbezogene Informationsveranstaltungen werden durchgeführt, man arbeitet mit verschiedenen kulturellen Institutionen zusammen und tauscht sich mit anderen Künstlervereinen aus. Obwohl der Verein nun fast seit 90 Jahren besteht, ist er immer noch aktuell und hat Zulauf von ganz jungen Frauen, so daB alle Altersgruppen vertreten sind. Im Gegensatz zu ihren Ateliergenossinnen ist Frau Prof. Krüskemper Mitglied der "Sezession", einer vom Düsseldorfer Künstlerinnenverein abgespaltenen Organisation. Aber dies tut der freundschaftlichen Zuammenarbeit keinen Abbruch.

Im Hinterhofgebäude befinden sich die Geschaftsräume und die Werkstatt der Firma Randolff. Direkt über der Rahmenfirma liegt das Atelier des Fotografen Thomas Busch. Er betätigt sich hauptsächlich als Bühnenfotograf. Zur Zeit arbeitet er an einem Projekt für den Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB), das über ein Jahr begleitend zu einer Fernsehsendung läuft. Er dokumentiert europaweit alte Menschen durch Fotografien, die anschlieBend in einem Bildband zusammengefaßt werden. Auch die Firma "artic" ist an diesem Projekt beteiligt.

Auf seiner Etage soll ein großer Raum zukünftig für Veranstaltungen genutzt werden, die circa viermal pro Jahr stattfinden sollen. Gedacht ist dabei an Dichterlesungen oder Theatervorführungen. Neben dem Atelier von Thomas Busch hat ein weiterer Fotograf und Innendekorateur, namens Bachhus, sein Domizil.

Außerdem wird noch eine Vereinigung von Architekten, Landschaftsplanern und Künstlern namens "Form - Materie - Sinn" im Hinterhaus ihren Tagungs- und Ausstellungsraum beziehen. Ziel der Gruppe ist es, unabhängig von konkreten Baumaßnahmen gemeinschaftliche Projekte zu planen, bei denen man sich keine Gedanken um deren Realisierbarkeit machen muß. Es geht um Visionen statt um "Kunst am Bau" oder Beplanung von Restflächen. Die Fragestellung ist: "Wie will ich heute leben?".

Ohne die alltäglichen beruflichen Zwänge sollen Ideen ausgetauscht werden, der Kreativtät soll freier Lauf gelassen werden, und man hofft dabei auf gegenseitige Befruchtung. Dokumentiert werden sollen die visionären Ideen durch regelmäßige Ausstellungen, die sowohl Entwürfe des Vereins präsentieren werden, als auch historische Beispiele in Erinnerung rufen wollen.

Insgesamt gesehen ist die Besonderheit des Atelierhauses in der Düsseldorfer Mintropstraße die bunte, heterogene Zusammensetzung von Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Altersgruppen, verschiedener künstlerischer Hintergründe und unterschiedlicher Organisationsformen.

Dieses drei-Generationen-Künstlerhaus birgt eine Gemeinschaft ganz unterschiedlicher Charaktere und Zielsetzungen, die aber alle offen und freundschaftlich miteinander umgehen. Die Ateliertüren stehen jederzeit offen für gegenseitige Besuche, für Austausch und Beratung. Auch gemeinsame Projekte werden geplant wie ein Sommerfest, wenn alle Künstler ihre Ateliers bezogen haben werden.

Auch für die oben erwähnte "Kunstpunkte"-Aktion des Düsseldorfer Kulturamtes wollen sich alle Kunstler bewerben, damit an diesem Tag das ganze Haus besichtigt werden kann.

Für die Künstler ist die Nähe zur Rahmenfirma Randolff genauso vorteilhaft wie umgekehrt. Auch hier gibt es eine freundschaftliche Zusammenarbeit und gegenseitige Befruchtung. Die Künstler erhalten schnell, ohne viel Aufwand und zu angemessenen Preisen genau die passenden Rahmen. Und Randolff proftiert davon, indem das Rahmensortiment in Zusammenarbeit mit den Künstlern dem aktuellen Bedarf des Kunstmarktes angepaßt wird. So hat man z.B. mit "ökoline" einen Naturholzwechselrahmen aus heimischen Hölzern neu auf den Markt gebracht, der preislich auf dem Niveau eines großen schwedischen Möbelmarktes liegt.

Stefanie Bednarzy, Junge Kunst, Nr. 39, 1999  

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